Leopold Kohr-Summerschool „Bildung für eine genügsame Lebens- und Wirtschaftsweise“ – 19.9.

Eine nötige Transformation moderner Industrie- und Konsumgesellschaften, die ihre ökologische Überlebensfähigkeit eingebüßt haben und von einem Krisenmodus zum nächsten schlingern, lässt auf sich warten. Es scheint, als würde sich die Nachhaltigkeitsdebatte auf zwei Maßnahmenkategorien verengen, die angesichts ihrer bisherigen Wirkungslosigkeit einer Öffnung für neue Herangehensweisen bedürfen. Zum einen wird darauf verwiesen, dass es an politischen Rahmenbedingungen mangele, die Anreize für eine nachhaltige Lebens- und Wirtschaftsweise setzen müssten. Zum anderen wird ein problemlösender technischer Wandel beschworen. In beiden Fällen bleibt das Individuum passiv. Seine Rolle beschränkt sich darauf, abzuwarten und auf Veränderungen von außen zu hoffen.

Aber ist diese – wenngleich bequeme und daher attraktive – Verantwortungsübertragung auf Politik und Technologie noch zeitgemäß? Überfällig erscheint es, auf eine Kompetenzerweiterung handelnder Subjekte zu fokussieren, denn ohne deren Lebensstilveränderung sind Auswege aus der aktuellen Nachhaltigkeitsstagnation nicht denkbar. Damit sind die Gestaltung von Lernprozessen und vor allem des Bildungssystems angesprochen. Bildung für nachhaltige Entwicklung ist zwar seit einiger Zeit in aller Munde – aber auf welche Art des Wandels ist sie gerichtet und was hat sie bislang bewirkt? Die diesjährige Summer-School à la Leopold Kohr möchte Bildungsimpulse aufgreifen, die sich als Befähigung zu einer genügsamen Daseinsform mit hoher Lebensqualität begreifen lassen. Kohr wies schon vor sechs Jahrzehnten darauf hin, dass manche materiellen Güter den Charakter eines Gegenmittels für die Folgen vorherigen Wachstums aufweisen, „deren Besitz unsere Lebensbedingungen nicht verbessert, sondern lediglich verhütet, dass sie schlechter werden. Sie sind wie Aspirintabletten.“ Welcher Lernorte, Bildungsprojekte, aber auch Reformen bedarf es, um genügsam zu wirtschaften und zu leben? Die Summer-School wartet mit instruktiven Beispielen und ausgewiesene Experten auf, um hierüber eine angeregte Diskussion zu entfachen. Niko Paech

BILDUNG FÜR EINE GENÜGSAME LEBENS- UND WIRTSCHAFTSWEISE
im Rahmen der 6. Leopold Kohr®-Summerschool
Donnerstag, 19. September 2024, 17:00 bis 20:00 Uhr
Stieglbrauerei Salzburg, Bräuhausstraße 9, 5020 Salzburg

Programm

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Hans Holzinger

Zukunfts- und Nachhaltigkeitsforscher, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen in Salzburg, 2010-2014 Lehrauftrag an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt, Autor und Vortragender, zuletzt erschienen: "Neuer Wohlstand. Leben und Wirtschaften auf einem begrenzten Planeten" (2012); "Sonne statt Atom. Robert Jungk und die Debatten über die Zukunft der Energieversorgung seit den 1950er-Jahren" (2013), "Von nichts zu viel - für alle genug" (2016), "Post-Corona-Gesellschaft" (2020). Forschungsschwerpunkte: Zukunft der Arbeit und sozialen Sicherung, globaler Ausgleich, neue Wohlstandbilder. Mitglied u.a. von Attac, Gemeinwohlökonomie,Global Marshall Plan Initiative, Südwind, Amnesty International.

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