50 Jahre Soweto-Aufstand: Salzburger Erinnerungen an den Widerstand gegen die Apartheid

Veranstaltungsreihe SOWETO 50, 9. bis 23. Juni 2026:

  • Ausstellungseröffnung „Bilder des Widerstands“ mit Podiumsdiskussion / 9. Juni, 18:00 Uhr / Imaculada, Wiener-Philharmoniker-Gasse 2, 5020 Salzburg (Ausstellung bis 23. Juni geöffnet)
  • Film „Cry Freedom“ / 16. Juni, 19:30 Uhr / DAS KINO, Giselakai 11, 5020 Salzburg
  • Workshop „Rebel Skills“ mit dem Zentrum für Politische Schönheit / 19. Juni, 9:00 – 13:00 Uhr / Kapitelsaal, Kapitelplatz 6, 5020 Salzburg

Der Aufstand im südafrikanischen Soweto jährt sich am 16. Juni 2026 zum 50. Mal. Die Proteste gegen das Apartheid-Regime markierten einen historischen Wendepunkt und beschleunigten maßgeblich dessen Zusammenbruch. Eine Veranstaltungsreihe des Afro-Asiatischen Instituts, des Friedensbüros Salzburg und von afrika.info erinnert an das Salzburger Engagement gegen die Apartheid und fragt danach, wie internationale Solidarität heute gelebt und wirksam gestaltet werden kann.

Am 16. Juni 1976 eröffnete die südafrikanische Polizei das Feuer auf Schüler*innen, die friedlich gegen die Einführung von Afrikaans als Unterrichtssprache protestierten. Bereits am ersten Tag waren 23 Todesopfer zu beklagen. In den folgenden Wochen griffen die Unruhen auf weite Teile Südafrikas über. Insgesamt starben fast 600 Menschen, rund 450 davon durch Polizeigewalt.

Die Ereignisse von Soweto verliehen der internationalen Anti-Apartheid-Bewegung neue Dynamik und führten zu einer bis heute beispiellosen weltweiten Solidarisierung. „Der Kampf gegen die Apartheid war die größte internationale Solidaritätsbewegung des 20. Jahrhunderts“, erklärt Martin Sturmer, Afrikanistik und Afrika-Referent am AAI. „De facto entstanden in nahezu jedem Land Gruppierungen, die sich für die Beendigung der Apartheid engagierten.“

Hector Pieterson war ein zwölfjähriger Schüler, der beim Soweto-Aufstand am 16. Juni 1976 erschossen wurde. Das Foto von Sam Nzima, das heute beim Hector-Pieterson Museum in Soweto steht, sorgte weltweit für Aufsehen. (Verwertung: honorarfrei, Bild: Martin Sturmer)

KHG als Salzburger Keimzelle des Widerstands

Die Ereignisse von Soweto waren auch unmittelbarer Auslöser für die Gründung der österreichischen Anti-Apartheid-Bewegung. Der Verein wurde am 20. Juli 1976 in Wien registriert, die konstituierende Sitzung fand am 4. Mai 1977 statt.

Auch in Salzburg formierte sich Widerstand gegen das südafrikanische Regime. In der Katholischen Hochschulgemeinde (KHG) wurde am 11. März 1981 der „Arbeitskreis südliches Afrika“ gegründet, aus dem 1983 das „Komitee Südliches Afrika“ (KOMSA) hervorging.

Mit Boykottwochen, Mahnwachen und Informationsveranstaltungen protestierten Salzburger Anti-Apartheid-Aktivist*innen gegen das Unrechtsregime in Südafrika – bis dieses Anfang der 1990er-Jahre zusammenbrach.

Mit der Freilassung Nelson Mandelas am 11. Februar 1990 und der Einigung auf demokratische Wahlen war das Ende der Apartheid besiegelt. Am 27. November 1993 beschloss die österreichische Anti-Apartheid-Bewegung – gemeinsam mit ihrer Regionalgruppe in Salzburg – die freiwillige Auflösung. Der Vereinszweck galt mit dem Ende der Apartheid als erfüllt.

 

Bild links: Der Salzburger Anti-Apartheid-Aktivist Gerhard Plasser bei einer Boykott-Aktion  (Verwertung honorarfrei, Bildrechte: Archiv KOMSA)
Bild in Druckqualität Bild rechts: Plakat für eine Anti-Apartheid Veranstaltung am 11. März 1984 in der Katholischen Hochschulgemeinde (KHG)Bild in Druckqualität

Ausstellung und Diskussion mit Zeitzeug*innen

Die Ausstellung „SOWETO 50: Bilder des Widerstands“ ist von 9. bis 23. Juni in der KHG Salzburg zu sehen. Gezeigt werden Fotografien, Plakate und Videomaterial zu den Salzburger Anti-Apartheid-Aktivitäten.

Im Rahmen der Ausstellungseröffnung am 9. Juni um 18:00 Uhr diskutieren Walter Sauer (Wirtschafts- und Sozialhistoriker sowie Mitgründer der österreichischen Anti-Apartheid-Bewegung), Anna Hable-Mayer (Anti-Apartheid-Aktivistin aus Salzburg) und Ruth Zehetner (Zeitzeugin aus Südafrika) über die internationale Solidaritätsbewegung und ihre Bedeutung bis heute. Moderiert wird die Veranstaltung von Johannes Dafinger vom Fachbereich Geschichte der Universität Salzburg.

„Cry Freedom“ und Ton-Bild-Schau „Gegenlicht“ in DAS KINO


Szene aus dem Anti-Apartheid-Drama „Cry Freedom“ mit Denzel Washington als Steve Biko (links) und Kevin Kline als Donals Woods (Verwertung honorarfrei, Bildrechte: Park Circus)

Eine zentrale Rolle in der internationalen Wahrnehmung des südafrikanischen Unrechtsregimes spielte Richard Attenboroughs Film „Cry Freedom – Schrei nach Freiheit“, der 1987 in die Kinos kam. Am 16. Juni – exakt 50 Jahre nach dem Soweto-Aufstand – zeigt DAS KINO um 19:30 Uhr den Streifen mit Kevin Kline und Denzel Washington in englischer Originalfassung.

Vor der Filmvorführung wird die etwa fünfminütige Ton-Bild-Schau „Gegenlicht“ präsentiert. Mit dieser informierte die Salzburger Anti-Apartheid-Bewegung ab 1983 in DAS KINO über Boykottmaßnahmen gegen südafrikanische Produkte und andere Formen des Protests.

Workshop „Rebel Skills“ im Kapitelsaal

Wie sich Aktivismus seit den Zeiten der Anti-Apartheid-Bewegung verändert hat und welche Formen des Engagements heute wirksam sein können, thematisiert der Workshop „Rebel Skills“ am 19. Juni von 9:00 bis 13:00 Uhr im Kapitelsaal Salzburg. Geleitet wird der Workshop vom Berliner „Zentrum für Politische Schönheit“, das international für seine provokativen Kunst- und Protestaktionen bekannt ist.

Rückfragehinweis

Martin Sturmer
Tel.: 0699 1135 33 99

E-Mail: martin.sturmer@aai-salzburg.at

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Hans Holzinger

Zukunfts- und Nachhaltigkeitsforscher, Senior Adviser der Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen in Salzburg, Bildungswerkleiter in Seekirchen, 2010-2014 Lehrauftrag an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt, Autor und Vortragender, Auswahl Bücher: "Wirtschaftswende" (2024), "Post-Corona-Gesellschaft" (2020), "Von nichts zu viel - für alle genug" (2016), "Neuer Wohlstand. Leben und Wirtschaften auf einem begrenzten Planeten" (2012); "Sonne statt Atom. Robert Jungk und die Debatten über die Zukunft der Energieversorgung seit den 1950er-Jahren" (2013), "Von nichts zu viel - für alle genug" (2016), "Post-Corona-Gesellschaft" (2020). Forschungsschwerpunkte: Zukunft der Arbeit und sozialen Sicherung, globaler Ausgleich, neue Wohlstandbilder. Mitglied u.a. von Scientists for Future, Attac, Gemeinwohlökonomie, , Südwind, Amnesty International.

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