Vier Jahrzehnte lang war und ist TAURISKA eine Kultureinrichtung, an der Menschen zusammenkamen und zusammenkommen, miteinander feierten, diskutierten und Stadt wie Land im Sinne Leopold Kohrs lebendig hielten und lebendig halten. Immer wieder zeigte sich, wie viel entstehen kann, wenn Gemeinschaft, Maß und Menschlichkeit den Ton angeben.
Darum erfüllte es uns mit großer Freude, dass so viele Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter diesen besonderen Moment mit uns teilten. Mit dem Leopold Kohr‑Ehrenpreis würdigten wir jene Haltung, die unser Tun seit Beginn getragen hat – die Überzeugung, dass das Menschliche stärker ist als das Große.

Der Kulturverein TAURISKA feierte sein 40‑jähriges Bestehen mit einem Festakt in der Universitätsaula Salzburg, der eindrucksvoll sichtbar machte, wie stark die 1986 gegründete Initiative das kulturelle Leben Salzburgs über Jahrzehnte geprägt hatte. Aus einer kleinen, von Prof. Alfred Winter initiierten und vom Denken des Philosophen Leopold Kohr inspirierten Bewegung war ein nachhaltiges Kulturprojekt entstanden, das in vier Jahrzehnten über 3.400 Veranstaltungen realisiert und rund 800.000 Besucherinnen und Besucher erreicht hatte. Im Mittelpunkt der Feier standen jene Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft, Kultur und Medien, die TAURISKA über viele Jahre begleitet hatten. Ein besonderer Höhepunkt war die Verleihung des Leopold‑Kohr‑Ehrenpreises an Em. o. Univ.-Prof. Dipl.-Ing.
Dr. techn. Hermann Knoflacher, dessen jahrzehntelanges Wirken die Idee des menschlichen Maßes im Sinne Kohrs konsequent weitergetragen hatte.
Musikalisch wurde der Abend von eindrucksvollen Darbietungen geprägt: Die Obertonkünstlerin Doris Kirschhofer berührte mit ihrer außergewöhnlichen Stimme, das Kohr Guitar Quartett präsentierte internationale Gitarrenmusik,
und die Uraufführung eines neuen Werkes von Agustín Castilla Ávila, inspiriert von Kohrs Schrift „Das Ende der Großen“, setzte einen zeitgenössischen Akzent.
Einen besonderen Stellenwert erhielt die Laudatio des Schriftstellers Walter Müller, der eigens für das Jubiläum einen
literarisch‑poetischen Text (A Mensch mecht i’ bleim Oder: Das ist eine Festrede und koa Kohr-Konzert! Oder doch?) verfasst hatte. Müller, seit vielen Jahren eng mit TAURISKA verbunden, würdigte die Kulturbewegung mit seiner unverwechselbaren Sprache – leise, präzise und zutiefst menschlich. Als ehemaliger Rauriser Marktschreiber und Autor zahlreicher Werke galt er als Chronist der Zwischentöne, einer, der hinhörte, wo andere vorbeigehen.
Seine Laudatio wurde zu einem emotionalen Höhepunkt des Abends und spiegelte jene Haltung wider, die TAURISKA seit vier Jahrzehnten prägte: das Kleine groß zu machen und Kultur als verbindende Kraft zu verstehen.
Die Jubiläumsfeier machte sichtbar, wie lebendig die Idee Leopold Kohrs geblieben war und wie kraftvoll TAURISKA diese Philosophie in die Zukunft trug. Der Leopold‑Kohr‑Preis wurde an soziale, kulturelle und ökonomische
Projekte verliehen, die der Philosophie Kohrs entsprachen und seine drei zentralen Leitgedanken – das menschliche Maß, Entwicklung ohne Hilfe sowie Erfolg durch Entschleunigung – sichtbar machten. Preisträger Hermann
Knoflacher, seit 1975 Professor an der Technischen Universität Wien und ab 1985 Vorstand des Instituts für Verkehrsplanung und ‑technik, widmete seine Lehr‑ und Forschungstätigkeit der Raum‑ und Stadtplanung sowie der Analyse der Auswirkungen von Mobilität auf Gesellschaft und Lebensqualität. Mit Nachdruck betonte er stets, dass der öffentliche Raum ein kostbares Gut sei, das den Menschen Begegnung ermöglichen müsse und nicht als Abstellfläche für parkende Fahrzeuge oder als Durchzugsraum für Autoverkehr vergeudet werden dürfe. Als globaler Fußgängervertreter der Vereinten Nationen engagierte er sich international für eine Verkehrspolitik, die Kohrs Vision einer Stadt mit menschlichem Maß in vielen Bereichen praktisch umgesetzt hatte. Die zweite Laudatio hielt Mag. Dr. Günther Witzany, Philosoph, Autor und Herausgeber zahlreicher Bücher, der 2009 den internationalen Kongress
„Zukunftsfähige Stadt‑ und Verkehrsplanung – Wieviel Kohr braucht die City?“ in Salzburg veranstaltet hatte.
Der Festakt war ein Nachmittag voller Freude und Emotionen; Vize-Rektorin der Universität Salzburg Univ.-Prof.in Dr.in Jutta, Horejs-Höck, Bürgermeister der Stadt Salzburg Bernhard Auinger, Vertreter des Landes Salzburg, LAbg. Mag. Hans Scharfetter und LAbg. Simon Heilig-Hofbauer sowie zahlreiche Wegbegleiter, Freunde und Netzwerker waren gekommen, um dieses Jubiläum mitzuerleben.


Fotos: Tauriska, Luisa Grabenschweiger
